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Herzerkrankungen bei Katzen

 

Einleitung

Die Herzerkrankungen der Katzen werden, wie bei Hund und Mensch, in angeborene und erworbene Herzerkrankungen unterschieden. Zu den angeborenen Missbildungen zählen der persistierende Ductus botalli,

die Verengungen der großen Herzkranzgefäße Aorta und Lungenarterie, Löcher in den Scheidewänden und Fehlbildungen der Vorkammer-Klammerkappen sowie eine Herzbeutel- Zwerchfellverwachsung mit Vorfall von Bauchhöhlenorganen in den Herzbeuteln. Darüber hinaus gibt es genetische Dispositionen für die Hypertrophische Kardiomyopathie (s.u.). Erworben durch Virusinfekte, Mangelzustände, altersbedingte Degenerationen und im weiteren Sinne Stressoren sind verschiedene Formen der Herzmuskel-, Herzbeutel- und Tumorerkrankungen.

Symptomatik

Die Katze gilt als „schwieriger“ Herzpatient, da die Symptomatik in frühen Stadien – anders als bei Hunden und Menschen – nicht die Assoziation zu einer Herzerkrankung weckt und oftmals für die Besitzer nicht auffällig ist. Darüber hinaus zeigen sich in der klinischen tierärztlichen Untersuchung nur selten verräterische Herzgeräusche, so dass der Abhörbefund falsch negativ sein kann.
Hinweisende Symptome für eine Herzerkrankung sind mangelnder Appetit, vermehrtes Schlaf- und Ruhebedürfnis, deutliche nachlassende Spielfreude und Belastbarkeit, beschleunigte Atmung mit Bauchpresse, Atmen/Hecheln durch den offenen Fang nach Belastung, bläuliche Schleimhäute, tastbare/sichtbare beschleunigte Herzfrequenz, unklare Umfangsvermehrung des Leibes durch Wasseransammlung. Nachhandlähmungen können für eine Thrombosierung sprechen, Husten gehört zu den eher seltenen Symptomen, während er bei Hunden und

Menschen zu den Frühwarnzeichen der Herzinsuffizienz gehört.

Untersuchungsmöglichkeiten in der tierärztlichen Praxis

Die tierärztliche Untersuchung umfasst neben der klinischen Allgemeinuntersuchung das Abhören von Herz und Lunge.
Das EKG gibt nicht nur Aufschluss über die Höhe der Frequenz (>200 Herzschläge pro Minute sind verdächtig für eine Kardiomyopathie), sondern auch über Art und Häufigkeit von Herzrhythmusstörungen.

Das Röntgenbild ist das verbreitetste Diagnostikum, das zu einer Verdachtsdiagnose „Herzerkrankung“ führt. Die Situation ist jedoch oftmals trügerisch: Eine Vergrößerung des Herzens – evtl. bereits mit Anzeichen eines Stauungsergusses in den Brustkorb – ist in der Regel nur im bereits fortgeschrittenen Krankheitsstadium zu erkennen. Die häufigsten Herzerkrankungen weisen eine konzentrische Muskelveränderung auf, die sich nicht in einer Vergrößerung des Herzschattens im Röntgen dokumentiert. Das Röntgenbild gibt jedoch wertvolle Hinweise zur Beurteilung des Lungenfeldes und für die Differenzialdiagnostik (Ursachenabgrenzung für das Symptom).

Diagnostikum der Wahl ist die Echokardiographie, die Ultraschalluntersuchung des Herzens. Mit Hilfe des ein- und zweidimensionalen Echokardiogramms kann der erfahrene Untersucher genaue Aussagen zu den kardialen Kammer- und Herzwanddimensionen sowie der Muskelkontraktilität und Auswurfleistung machen. Die Dopplermethode ermöglicht darüber hinaus die Bestimmung der Blutflussrichtung und –geschwindigkeit und ist damit in der Diagnostik angeborener Missbildungen von unschätzbarem Wert. Die Echokardiographie bietet als einzige Methode die Möglichkeit, die prognostisch äußerst ungünstige Thrombenbildung in den Vorhöfen zu erkennen. Mit Hilfe der Echokardiographie ist einzig und allein eine Differenzierung der felinen Kardiomyopatien möglich. Man unterscheidet hypertrophische, dilatative und restriktive (intermediäre und nicht klassifizierte) Formen.

Die Blutdruckmessung erfasst die verbreitete Hypertonie der Katze, während Laboruntersuchungen helfen, eine Schilddrüsenerkrankung zu erkennen.

Hypertrophische Kardiomyopathie (HKM) bzw. hypertrophische Cardiomyopathie (HCM)

Die HKM zeichnet sich durch eine Verdickung der Herzmuskulatur aus, die zu einer Verkleinerung des Herzkammervolumens führt und damit eine diastolische Krise nach sich zieht. Die Verdickung kann die gesamten Herzmuskeln, aber auch nur Teilabschnitte umfassen. Kommt es zu einer Verdickung unterhalb der Hauptschlagadermündung, spricht man von einer Obstruktion. Diese führt in der Regel zu einem Herzgeräusch. Wächst der Herzmuskel nach innen, spricht man von einer konzentrischen Form. Wachstum nach außen führt zu einer Gesamtvergrößerung der Herzsilhouette, man spricht von exzentrischer Form. Es kann zu einer Vergrößerung der Vorkammern kommen. Einen Erguss in den Brustkorb kann es sowohl bei Linksherz- als auch bei Rechtsherzversagen geben.

Ursachen für eine HKM können eine Schilddrüsenüberfunktion, Bluthochdruck (meist mit Nierenerkrankung kombiniert) oder eine genetische Disposition bei bestimmten Rassen sein. Für die Maine Coon wird ein autosomal dominanter Erbgang mit kompletter Penetration angenommen. Männliche Tiere sind häufiger betroffen als weibliche. Symptome treten in der Regel ab dem dritten Lebensjahr auf.

Dilatative Kardiomyopathie

Degenerative, entzündliche Vorgänge oder Taurin-Mangelzustände führen zu einer Verminderung der Herzwanddurchmesser und ihrer Kontraktilität sowie zu einer Kammervergrößerung. Ein Blutrückfluss in die Vorkammern kann starke Stauungsbeschwerden nach sich ziehen.

Restriktive und nicht klassifizierte Kardiomyopathien

Es gibt Herzmuskelerkrankungen, die nicht exakt den voran besprochenen zugeordnet werden können. Bei nahezu normalen Echo-Befunden der Herzkammern zeigt sich in Folge einer gestörten diastolischen Füllung ein vergrößerter linker Vorhof.

Herzinnenwandveränderungen lassen ebenfalls auf die restriktive Kardiomyopathie schließen, die sich klinisch, röntgenologisch und elektrokardiographisch nicht von der HKM oder DKM unterscheiden lässt.

Zusammenfassung

Die herzkranke Katze ist ein „schwieriger“ Patient, da sie ihre eindeutigen Kreislaufsymptome erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium zeigt (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel!). Neben angeborenen Missbildungen des Herzens gibt es eine Fülle erworbener Herzerkrankungen. Zur exakten Detektierung und Differenzierung der einzelnen Herzerkrankungen ist die Echokardiographie ein Diagnostikum der Wahl. Auf ihr beruht maßgeblich die Entscheidung, welche Therapieform eingeleitet wird. Aufgrund der unspezifischen Symptomatik in frühen Stadien der Herzerkrankung sollte bei einer kranken Katze ohne eindeutige Diagnose eine Echokardiographie sicherheitshalber zum Ausschluss oder Finden einer Herzerkrankung hinzugezogen werden.

© Dr. med. vet. Ralf Tobias, Fachtierarzt für Kleintiere, Hannover

HCM - Hypertrophe Kardiomyopathie


Erschienen in "Hallo Norweger" 3/04

Im Frühsommer 2003 hat die Winn Foundation (der "Gesundheits-Ausschuss" der CFA) in den USA einen Züchter-Ratgeber publiziert, der die wichtigsten Fragen zum Thema HCM zusammenfasst. Die Autoren sind ein Begriff: "Dr. Susan" Susan Little ist beispielsweise gerade dabei, das NFC-Projekt (statistische Erfassung von Würfen) abzuschließen, das Team von Mark Kittleson hat mit einer Studie an einer Maine-Coon-(MCO-)Kolonie die HCM-Forschung bei Katzen erst richtig in Gang gebracht.

Was ist HCM?

Hypertrophe Kardiomyopathie (HKM, international: HCM) ist die häufigste Herzkrankheit bei Katzen, egal ob sie zufällig gezeugte oder Katzen mit Stammbaum sind. Es ist eine Erkrankung des Herzmuskels, bei der die Papillarmuskeln (die Muskeln in der linken Herzkammer, die die Herzklappen halten) und die Wände der linken Herzkammer sich abnormal verdicken. HCM ist häufig eine progressive Erkrankung und ein Teil der betroffenen Katzen erliegt einem Herzversagen, wenn das Muskelwachstum und damit einhergehend eine Vernarbung des Herzmuskels die Herzfunktionen immer weiter beeinträchtigen.

Was verursacht HCM bei Katzen?

Diese Frage ist zur Zeit ungelöst, obwohl vererbliche HCM bei einigen Katzenrassen beobachtet wurde - wie bei Maine Coons und American Shorthair. Nach anekdotischen Informationen kann davon ausgegangen werden, dass es familiäre HCM auch in vielen anderen Rassen gibt.
Herzmuskel-Hypertrophie bei Katzen kann auch von anderen Erkrankungen hervorgerufen werden, beispielsweise systemischem Bluthochdruck oder Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreodismus). HCM ist eine primäre Erkrankung des Herzmuskels, Hochdruck und Hyperthyreodismus sind sekundäre Verursacher der Herzwand-Verdickung und damit keine Verursacher von HCM (auch wenn es möglich ist, dass sie die Krankheit beschleunigen, wenn sie in einer Katze mit milder oder moderater HCM auftreten).
Von HCM sprechen wir, wenn andere Ursachen ausgeschlossen werden können.

Ist HCM genetisch bedingt?

Bei MCO und American Shorthair wurde HCM als autosomal dominant vererbbare Krankheit bestätigt - so wie sie auch bei Menschen vorkommt, wo mehr als 130 Gen-Mutationen in zehn Genen als Verursacher dieser Krankheit identifiziert wurden. Die Krankheit selbst stellt sich völlig unterschiedlich dar: Einige Katzen sind schwer betroffen, andere nur mild oder moderat, und manche Katzen zeigen noch nicht einmal Anzeichen der Krankheit, auch wenn sie kranken Nachwuchs produzieren.
Es ist zwar noch keine spezifisch feline Gen-Mutation entdeckt worden, bei den MCO wird jedoch verstärkt danach geforscht. Da jedoch nur sehr wenige Tier-Kardiologen und Genetiker die Erfahrung haben, die Gene zu studieren, ist es unwahrscheinlich, dass das verantwortliche Gen (oder die verantwortlichen Gene) für jede betroffene Rasse irgendwann in nächster Zukunft identifiziert werden kann. Wenn eines Tages ein Gen bei den MCO entdeckt werden sollte, dann muss das nicht unbedingt das gleiche Gen sein, das HCM in einer anderen Rasse verursacht. HCM fordert Forschung spezifisch für jede Katzenrasse.

Kann HCM ernährungbedingt entstehen?

Es gibt keinen Beweis, weder bei Katzen noch bei Menschen, dass HCM eine ernährungsbedingte Ursache hat.

Wie wird HCM diagnostiziert?

HCM wird durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens festgestellt - einem Echokardiogramm. Schallen ist ein guter Weg, moderat bis schwer betroffene Katzen festzustellen. Indessen kann damit nicht immer auch eine nur mild betroffene Katze diagnostiziert werden, wenn die Veränderungen am Herzen nur minimal sind.
Zusätzlich zum Echokardiogramm können auch andere Tests nützlich sein, um Katzen mit HCM herauszufinden. Beispielsweise könnte es nötig sein, die Brust zu röntgen, um Herzfehler bei einer Katze mit schwerer HCM genau festzustellen. Ein Elektrokardiogramm (EKG) ist nützlich bei Katzen, die einen abnormalen Herzrhythmus haben. Blutdruckmessung und Bluttest auf Hyperthyreodismus ist angezeigt, um andere Krankheiten auszuschließen, die aussehen können wie HCM - vor allem bei milder oder moderater HCM.
Idealerweise sollten EKG und/oder Sonogramm, mit dem auf HCM getestet wird, von einem spezialisierten (für US-Verhältnisse: zugelassenen) Radiologen oder Kardiologen durchgeführt werden.

Sollte ich meine Katze auf HCM testen lassen und wie oft sollte sie getestet werden?

Im klinischen Alltag ist der "übliche" Patient, der auf HCM getestet werden soll, eine Katze mit bereits vorhandenen klinischen Anzeichen eines Herzfehlers wie beispielsweise Herzgeräusche.
Das Testen von Katzen, die in einem Zuchtprogramm eingesetzt werden, ist eine schwierigere Aufgabe. Echokardiographie ist kein perfektes Werkzeug zum Diagnostizieren von HCM - einige betroffene Tiere werden sich immer der Entdeckung entziehen (siehe weiter hinten) und der Zugang zu guten Ultraschall-Dienstleistern kann für einige Züchter auch sehr schwierig und sehr teuer sein. Zuallererst sollten aber Zuchtkatzen mindestens einmal im Jahr sorgfältig abgehört werden auf Herzgeräusche und Arrhythmen. Jede Katze mit einer dabei festgestellten Abnormalität sollte geschallt werden. Leider wird aber auch ein signifikanter Prozentsatz betroffener Katzen nie ein verdächtiges Herzgeräusch aufweisen.
Da HCM in jedem Lebensalter auftreten kann, wird eine einmalige Herzuntersuchung keine Garantie dafür geben, dass die Katze HCM-frei ist. Zuchtkatzen sollten daher möglichst jährlich geschallt werden; dass "Rentner" auch regelmäßig geschallt werden, wäre zumindest empfehlenswert, weil damit wenigstens im Nachhinein betroffene Katzen einer Zucht identifiziert werden können.

In welchem Alter sollte auf HCM getestet werden?

HCM kann Katzen jedes Alters betreffen. Es wurde bei Kitten im Alter von wenigen Monaten genauso gesehen wie in Katzen von mehr als zehn Jahren. In MCOs gibt es einen Nachweis von HCM bei den meisten Katern bei zwei und bei den meisten Kätzinnen bei drei Jahren. Es wurden jedoch auch Fälle dokumentiert, wo die Krankheit sich nicht vor dem siebten Lebensjahr gezeigt hat. Ragdolls mit schwerer HCM scheinen die Krankheit früher in ihrem Leben zu entwickeln, schon unter einem Jahr. Für andere Rassen wurden noch keine Richtlinien entwickelt, deswegen ist es schwierig, ein spezifisches Alter für den Start von Tests zu empfehlen. Es macht jedoch Sinn, die meisten Zuchtkatzen mit zwei Jahren das erste Mal zu testen.

Was mache ich, wenn bei meiner Katze HCM festgestellt wurde?

Die Katze sollte aus dem Zuchtprogramm genommen werden, der komplette Nachwuchs sollte sorgfältig auf sich entwickelnde HCM beobachtet werden. Statistisch gesehen können 50 % des Nachwuchses das Gen tragen, das HCM verursacht, wenn ein Elternteil heterozygot ist. Der vorsichtigste Ansatz wäre jedoch, kein Tier aus dem Nachwuchs in einem Zuchtprogramm zu verwenden.
Die Eltern einer betroffenen Katze sollten ebenfalls mit Ultraschall untersucht werden, da ziemlich sicher einer von beiden die Gen-Mutation für HCM trägt. In einigen Fällen mag der Nachweis schwer fallen, speziell dann, wenn die Erkrankung "mild" ist. Auch in diesen Fällen wäre der vorsichtigste Ansatz, beide Elterntiere aus dem Zuchtprogramm herauszunehmen. Es ist natürlich möglich, dass sich bei einer Katze eine spontane Mutation ereignet, die HCM in der embryonalen Entwicklung auslöst - aber das ist ein eher unwahrscheinlicher Fall in einer Rasse, die bekannt für HCM-Problematik ist.
Alle Züchter, die Katzen einsetzen, die verwandt sind mit einer betroffenen Katze, sollten über die HCM-Diagnose unterrichtet werden. Ebenso sollten auch Besitzer von Liebhabertieren informiert werden, dass bei einer Katze aus der Verwandtschaft HCM festgestellt wurde. Ultraschalluntersuchungen werden empfohlen.

Können wir je HCM aus unserer Zucht eliminieren?

Die Möglichkeiten, die wir z. Zt. haben, HCM festzustellen (z. B. Herz-Ultraschall und Autopsie), sind nicht perfekt und gestatten uns nicht, diese Erkrankung komplett in den Griff zu bekommen. Dennoch hilft ein Ultraschall-Screening, das Auftreten von HCM in einer Rasse zu reduzieren, wenn sich genug Züchter daran beteiligen.
Züchter sollten alle Informationen zusammentragen über HCM in verschiedenen Linien. Dazu gehört auch eine Stammbaum-Analyse auf der Grundlage einer genauen Identifikation betroffener Katzen.
Eine Katze, die plötzlich tot umfällt oder an (bekannter) HCM stirbt, sollte auf jeden Fall zur Autopsie. Die meisten Katzen mit HCM haben ein Herz, das mehr als 20  Gramm wiegt, Katzen mit schwerer HCM haben ein Herz, das mehr als 30 Gramm wiegt. "Unordnung" der Herzmuskelfasern, das typische Kennzeichen von Herzmuskel-Abnormalien bei Menschen mit familiärer HCM, haben wir in allen MCOs mit HCM entdeckt. Unglücklicherweise sind die meisten Tier-Pathologen nicht darauf geschult, solche Störungen zu beobachten.
Auf lange Sicht brauchen wir einen Gen-Test für jede Rasse. Ein Gen-Test würde uns erlauben, betroffene Katzen zu erkennen, bevor sie in der Zucht eingesetzt werden. Da diese Krankheit autosomal dominant vererbt wird, könnte die Krankheit innerhalb weniger Generationen aus einer Rasse eliminiert werden, sobald eine Mutation identifiziert ist und alle Züchter ihre Tiere dann auf diese Mutation hin testen.
Indessen: Geld und die Ressourcen, die nötig sind, das Gen oder die Gene zu identifizieren und einen entsprechenden Test zu entwickeln, sind sehr dünn gesät in der Tiermedizin. Züchter und Liebhaber können die Forschung beispielsweise über den "Ricky Funds" unterstützen, der von der Winn Foundation ins Leben gerufen wurde.

Können zwei gesunde Elterntiere Nachwuchs mit HCM produzieren?

Da HCM als autosomal dominante Erkrankung identifiziert ist, wo der Erbgang bekannt ist, muss ein betroffenes Kitten auch ein betroffenes Elternteil haben. Es gibt natürlich auch mögliche Situationen, bei denen ein erkranktes Tier von einem scheinbar gesunden Elternpaar abzustammen scheint.
Die erste Alternative ist dann die, dass eines der Elternteile falsch diagnostiziert wurde. Das kann an der Unerfahrenheit des Schallenden liegen oder auch an unzureichender technischer Ausstattung. Das kann aber auch daran liegen, wenn der Gesundheitszustand einer Katze an gerade mal einem oder zwei Ultraschalls in ihrer Jugend festgemacht wird. Da HCM sich in jeder Altersstufe entwickeln kann, kann es sein, dass eine Katze, die in einem Jahr als gesund getestet wird, dennoch HCM-Träger ist und sich die Erkrankung erst in der folgenden Zeit darstellt.
Da die Krankheit sich zudem ganz unterschiedlich manifestiert, kann auch nicht bei jeder betroffenen Katze ein Nachweis mit Ultraschall geführt werden. Es ist deshalb auch möglich, dass eine Katze im Ultraschall als HCM-negativ gilt. aber dennoch das defekte Gen trägt und es an den Nachwuchs weiter vererbt.
Schließlich sind auch spontane Mutationen bei Kitten von "normalen" Eltern möglich. Diese Katzen vererben dann ihre Mutationen an den Nachwuchs. Wir wissen nicht, wie häufig solche zu HCM führenden Mutationen vorkommen. Statistisch geschehen solche Mutationen eher in zufällig verpaarten Katzen als bei Rassekatzen.

Was bedeutet "HCM-freie Zucht"?

Es gibt keine universell vereinbarte Definition von "HCM-freier Zucht". Die Terminologie ist derzeit unklar, da unterschiedliche Züchter unterschiedliche Dinge meinen, wenn sie diesen Begriff benutzen. Idealerweise sollten für jede Rasse spezifische Definitionen und Richtlinien aufgestellt werden, wie sie dann in der Bezeichnung der Catteries verwendet werden können.

Mark Kittleson und Rebecca Gompf (Cardiology), Fakultät für Tiermedizin, University of Tennessee
Susan Little,Vizepräsidentin der Winn Foundation
Mai 2004
Übersetzung mit Genehmigung: Herbert E. A. Bangen

Aktueller Sachstand zur HKM-Diagnostik

 


© Dr. Ralf Tobias (01.02.2006)

Die Diagnose HKM (Hypertrophische Kardiomyopathie) ist für Halter und Züchter betroffener Katzen eine sehr belastende Diagnose. Die hohe symptomatische Erkrankungsrate und Sterberate bei dieser Erkrankung ist für jeden, der es erlebt hat, nachvollziehbar eine bedrückende und frustrierende Perspektive. Aufgrund der Tatsache, dass Katzen mit positivem HKM -Befund über eine gewisse Zeit dieser Erkrankung völlig unsymptomatisch erscheinen, trifft der spontane Herztod die Züchter/Besitzer eines solchen Tieres umso unvorbereiteter und unerklärlicher. Das Heimtückische an dieser Erkrankung ist ihr zeitlich unsicheres Auftreten: Es kann Wochen, Monate, aber auch Jahre brauchen, bis die Erkrankung ausbricht. Bisherige Beobachtungen weisen einen Zeitraum zwischen dem 6. Lebensmonat und ca. 5. Lebensjahr aus (Abweichungen nach oben und unten sind möglich). Kater scheinen früher und heftiger betroffen zu werden als Katzen.

Zuchttiere, die bei einer Untersuchung "negativ" (freier Befund) beurteilt wurden, müssen folglich regelmäßig nachuntersucht werden, ob sie auch "negativ" bleiben. Im "positiven" Fall (das Tier hat eine Herzmuskelhypertrophie) muss der Schweregrad bestimmt und entschieden werden, ob eine Behandlung sinnvoll ist und wenn ja, mit welchen Medikamenten. Hierzu sind detaillierte Kenntnisse der Art der Veränderung sowie Erfahrungen über den Krankheitsverlauf notwendig.

Die HKM ist die verbreitetste Herzerkrankung der Katzen. Maine Coon, British Shorthair, aber auch Norwegische Waldkatzen und eine Zahl anderer Rassekatzen sind betroffen. Die internationale Datenbank "Pawpet" bemüht sich um die Identifizierung und Statistik dieser Erkrankung.

Die Ursache einer HKM kann sowohl genetisch sein als auch bei alten Tieren sekundär durch Hypertonie oder Überfunktionen der Schilddrüse ausgelöst werden.

Für Maine Coon wurde in den USA die Mutation eines Genortes nachgewiesen; man geht aber davon aus, dass es in Analogie zum Menschen mehrere Genorte gibt, die durch Veränderung eine Herzmuskelverdickung kodieren. Ob europäische Linien den gleichen Genlocus verändert haben wie amerikanische, ist ungewiss. In bestimmten US-amerikanischen Linien wurde eine autosomal dominante Vererbung nachgewiesen. Erste Stammbaumforschungen engagierter europäischer Katzenzüchter lassen vermuten, dass auch andere Wege nicht ausgeschlossen, wenn auch nicht bewiesen sind. Es bleibt demnach eine Restunsicherheit bezüglich der Frage, ob mehr als ein Erbgang möglich ist und letztlich wie viele Genorte tatsächlich bei der Ausprägung dieser Erkrankung involviert sind.

Die Diagnostik umfasst einen 3 Stufenplan:

1.) Auskultation
Nur bei einem Teil der Patienten kann in der tierärztlichen Untersuchung ein Herzgeräusch auf das Vorliegen einer HKM hindeuten. Da ein Herzgeräusch auch andere Ursachen haben kann (z.B. eine Aortenstenose) muss dieses echokardiographisch abgeklärt werden. Dies bedeutet für den Katzenbesitzer: Ein negativer Abhörbefund (kein Hinweis auf ein krankhaftes Herzgeräusch) schließt das Vorliegen einer Herzmuskelveränderung nicht aus. Bei einem positiven Befund sollte in jedem Fall sonographisch (Herz-Ultraschall) abgeklärt werden, welche Ursache dieses Geräusch hat.

2.) Echokardiographie (= Sonographie / Herz-Ultraschall-Untersuchung) und EKG
Die Herz-Ultraschall-Untersuchung in der Hand des versierten Untersuchers ist nach wie vor die beste Methode, um Herzmuskelhypertrophien festzustellen und von anderen kardialen Veränderungen zu unterscheiden. Mit Hilfe des zweidimensionalen Bildes werden sowohl örtlich begrenzte als auch generalisierte Verdickungen des Herzmuskels festgestellt. Mit Hilfe der eindimensionalen Untersuchungstechnik werden die anatomischen Befunde und Bewegungsmuster weiter analysiert. Diagnostische Sicherheit über funktionelle Veränderungen an den Herzklappen und die Aufspürung von Lochmissbildungen der Scheidewände bietet die Doppleruntersuchung (Farbe und konventionell). Das Sonogramm attestiert einen phänotypischen Befund hinsichtlich des Vorliegens einer Herzmuskelhypertrophie (ja/nein) und erleichtert die Einschätzung des Schweregrades und damit der Prognose für das Tier. Es schließt andere angeborene Missbildungen aus. Die Untersuchung kann aber nicht die Frage hinsichtlich der Vererbung beantworten.
Im EKG können ein normaler Herzrhythmus oder Rhythmusstörungen festgestellt werden. Bei letzteren sind insbesondere Kammerextrasystolen ein prognostisch ungünstiges Zeichen.

3.) Gen Test
Ganz aktuell verfügbar ist ein Gen-Test auf HKM. Dies hört sich im ersten Moment jedoch einfacher an als es ist. Der Gentest ist ausschließlich in den USA an der Washington-State-University in Pullman verfügbar und auswertbar. Er berücksichtigt nur die Mutation eines Genortes. Das bedeutet, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass im negativen Fall das Tier nicht doch an der Erkrankung leiden wird, weil sie aus anderen Genorten hervorgebracht wird. Diese zu identifizieren wird weitere Jahre Forschung bedeuten.

Im praktischen Umgang mit dem Gentestergebnis bedeutet dies:

a)

Die Katze ist negativ: Dies bedeutet, das Tier weist nicht die Mutation dieses einen Genortes auf. Es ist aber völlig unklar, ob das Tier in seiner Lebenszeit diese Erkrankung nicht doch noch entwickelt aus der Mutation anderer Genorte heraus. Das Tier muss weiter sonographisch beobachtet werden.

b)

Die Katze ist positiv: Dies bedeutet, das Tier hat die Mutation des Genortes für HKM. Der Test weist das Ergebnis als heterozygot oder homozygot aus (letzteres ist prognostisch noch ungünstiger). Es ist aber nicht gesagt, dass das Tier zum Zeitpunkt der Probennahme bereits anatomische/funktionelle Veränderungen am Herzen aufweist. Diese Tiere müssen besonders intensiv beobachtet und sonographisch engmaschiger kontrolliert werden, will man sie nicht zu früh verlieren.

c)

Ein sonographisch positives und Gen-Test negatives Tier weist nicht das nachgewiesene US-Gen in mutierter Form auf. Die Hypertrophie resultiert aus anderen Ursachen wie: Andere Genmutation, Sekundärphänomen zu anderen Herzmissbildungen, Ausschluss erworbener Ursachen (Blutdruck, T4...).


Es bleibt anzumerken, dass unklar ist, ob das in den USA identifizierte Gen auch in unseren europäischen/deutschen Linien das gleiche ist, das zur Herzmuskelverdickung führt. Grundlage des Testes ist eine Zellgewinnung aus der Mundschleimhaut.

Zusammenfassung: Die HKM der Katze ist eine diagnostische und zuchtrelevante Herausforderung, der sich Tierärzte und Katzenzüchter stellen müssen. Nur der Austausch der Erfahrungen mit dieser Erkrankung beider Gruppen kann durch gute Zusammenarbeit zu einer Verbesserung der momentanen Situation führen. Die Herz-Ultraschall-Untersuchung, durchgeführt nach internationalen Kriterien und Maßstäben, ist die maßgebliche Säule der Diagnostik und wird durch klinische Angaben und Laboruntersuchungen flankiert.

Dr. Ralf Tobias
Tierärztliche Kleintierpraxis für Kardiologie und
Bildgebende Diagnostik
FTA für Kleintiere
TGB Kardiologie
Güntherstr. 17
30519 Hannover
Fon 0511-830608
Fax 0511-8448668